Verschollen


Verschollen

Artikel-Nr.: 9783959622752
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Kundenbewertungen zu Verschollen

Anzahl der Bewertungen: 2
Durchschnittliche Bewertung: 4,5
Der Auftakt in eine phantastische Parallelwelt
von am 15.11.2018
Eigentlich war Tristan bisher immer der Meinung, dass sein Vater Darius auf einer Ölbohrinsel arbeitet und deswegen so wenig Zeit mit seiner Familie verbringen kann. Doch ein Unglück in Tristans Familie bringt die Wahrheit ans Tageslicht. Darius ist ein Paladin in der Parallelwelt Nuareth. Und damit nicht genug. Tristan muss sich nun auf den Weg in diese Parallelwelt machen und seinen Vater schnellstmöglich. Ansonsten gibt es für seine Schwester Svenja vielleicht keine Rettung mehr. Doch kaum in Nuareth ankommen, muss Tristan die nächste Enttäuschung aufnehmen. Sein Vater gilt schon einige Zeit als vermisst. Zum Glück sind Paladine hoch angesehen und da Tristan in die Fußstapfen seines Vaters treten kann, wird er von den meisten anerkannt und respektiert. Aber nur von den meisten. Von heute auf morgen in einer Welt, in der er die Spielregeln nicht kennt, mit Kräften, mit denen er nie gelernt hat umzugehen, muss sich Tristan mit einer kunterbunten Truppe auf den Weg machen und seinen Vater suchen. Doch in Nuareth scheinen die Zeiten düster zu sein. Wesen, die sich bisher nicht ausstehen konnten, verbünden sich und die Suche wird schwieriger als angenommen. Und für Tristan wird es eine Reise der besonderen Art. Er wird einiges über sich und seinen Vater erfahren. Wird er seinen Vater finden?

Dies ist der Auftakt in die Welt der Paladine. Somit sollte vielleicht gleich zum Anfang geschrieben werden, dass dieses Buch ein offenes Ende hat. Aber bei dieser Geschichte? Gerne! Da freue ich mich auf jeden Fall schon auf die Fortsetzung. Was als Jugendbuch deklariert ist, sollte auch den Erwachsenen vom Lesen nicht abhalten. Eine interessante und vor allem flüssige Geschichte, in der es auch das ein oder andere Wesen in einer anderen Abwandlung geben wird wie bisher bekannt. Schon alleine das macht jeden Fantasy-Fan glücklich. Tristan ist ein interessanter und sympathischer Protagonist, der in seine Rolle wächst. Tja, und wie es das Cover schon verrät. Es gibt auch einen Drachen. Ich gebe für diese phantastische Geschichte gerne 5 Sterne!
Überzeugt vor allem durch den Weltenbau
von am 24.04.2018
„Mit noch immer klopfendem Herzen lehnte Tristan sich gegen den Fels und sah kopfschüttelnd über die Schulter zurück. Gerade hatte er mit einem zweiköpfigen Drachen gesprochen (...). Er konnte es immer noch nicht fassen.“
(Jörg Benne, Das Schicksal der Paldine - Verschollen, E-Book S. 22)

Verschollen ist der Auftakt der Paladin-Trilogie, die zum ersten Mal 2012 im Koios Verlag erschien. 2016 wurde die Reihe im Prometheus Verlag veröffentlicht, bis sie nun schließlich ein neues Zuhause im Papierverzierer Verlag gefunden hat.

Im Roman begleiten wir Tristan, der sich auf die gefährliche Reise in die Welt von Nuareth begibt, um seinen Vater und die verschollenen Paladine zu finden und so seiner älteren Schwester zu helfen, die im Koma liegt. Die Ausgangssituation - Junge begibt sich in Fantasywelt, um seine kranke Schwester zu retten - hat mich auf anhieb an Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein erinnert, aber das ist auch die einzige Ähnlichkeit zwischen beiden Geschichten. Eines vorweg: Auch wenn das erste Zitat und das Cover etwas anderes vermuten lassen, spielen Drachen kaum eine Rolle.

Tristan ist - wie es für Jugendbücher üblich ist - erst 16, erscheint aber gerade zu Beginn des Romans deutlich jünger. Er ist oft unreif und reagiert impulsiv, aber das kann man einem Jungen in der Pubertät wirklich nicht zum Vorwurf machen. :) Vielleicht liegt es auch daran, dass er seinen Vater so gut wie nie zu Gesicht bekommt.

„Er stierte auf den Linoleumboden und erinnerte sich an all die Enttäuschungen, die er mit seinem Vater schon erlebt hatte. Verdammte Bohrinsel! Warum konnte sein Vater nicht irgendwo im Büro arbeiten wie andere auch?“
(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine - Verschollen, E-Book, S.7)

Sein Verhältnis zu seinem Vater ist nicht das beste. Tristan fühlt sich von Darius vernachlässigt, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit - und mehr gemeinsame Zeit. Doch schon im ersten Kapitel erfährt er, dass die Geschichte mit dem Job auf der Bohrinsel nur verschleiern sollte, was sein Vater tatsächlich macht.

„Eins musst du wissen, Junge. Dein Vater ist ein guter Mensch. Er hilft anderen in ... sehr weit weg jedenfalls. Und wenn er nicht nach Hause kommt, dann muss es etwas sehr Wichtiges sein, was ihn davon abhält.“
(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine - Verschollen, E-Book, S. 8)

Jörg Benne hält sich nicht mit langen Erklärungen auf, sondern wirft Tristan und seine Leser unmittelbar ins Geschehen. Rasch geht es nach Nuareth, in eine Parallelwelt, die der Menschenwelt sehr ähnlich ist, aber auch von vielen fremdartigen Geschöpfen bevölkert wird. Dort ist Tristan ebenso wie sein Vater ein Paladin, jemand, der unter anderem über magische Fähigkeiten verfügt. Doch der Frieden auf der Insel Nasgareth ist bedroht. Rasch wird klar: Wenn tatsächlich alle Paladine verschollen sind, muss das Ausmaß der Gefahr sehr groß sein. So beginnt für Tristan ein Wettlauf mit der Zeit, seinen Vater und die anderen rechtzeitig aufzuspüren, bevor es zu spät ist, seiner Schwester zu helfen.

Gemeinsam mit Tristan erkunden wir die Insel Nasgareth, einen Teil von Nuareth, der Welt, in der Jörg Benne die Handlung all seiner Romane ansiedelt. Nach und nach lernen wir mehr über die Paladine, ihre Magie, aber auch über die verschiedenen Wesen, die Nuareth bevölkern, ihre Gepflogenheiten und ihre Kultur. Dem Autor ist es gelungen, meinen Entdeckergeist nicht nur zu wecken, sondern so zu befeuern, dass ich immer mehr von Nuareth wollte. Mehr Orte entdecken, mehr über die Vergangenheit dieser faszinierenden Welt lernen. Für mich ist der bis ins letzte Detail ausgearbeitete, stimmige und zutiefst beeindruckende Weltenbau die größte Stärke des Romans. Da verzeihe ich auch längere Monologpassagen, in denen Tristan in bester Erklärbärmanier in den Kosmos Nuarehts eingeführt wird. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Erkundung der Welt mehr an den Roman gefesselt hat als die Geschichte an sich.

Die Handlung ist spannend, variiert einige klassische Motive phantastischer Jugendliteratur und gewinnt gegen Ende nochmal deutlich an Fahrt. Im Gegensatz zu einigen Nebenfiguren, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind, habe ich mich mit Tristan leider über weite Strecken schwer getan. Er ist neu in Nuareth, muss noch lernen, mit seinen Kräften umzugehen. Deshalb sind es meistens die anderen Charaktere, die ihm sagen, was er tun soll. Dennoch entwickelt er sich im Laufe des Romans weiter, reift deutlich.

„Wenn man bedenkt, dass du vor ein paar Wochen noch ein normaler Schüler warst, der in einem weichen Bett zu schlafen gewohnt war (...) und dessen größter Feind bislang sein Physiklehrer war: alle Achtung.“
(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine - Verschollen, E-Book, S.224)

Auch wenn es sich bei Verschollen um den Auftakt einer Trilogie handelt, ist der Roman rund und könnte für sich allein stehen. Trotz einiger kleinerer Schwächen glaube ich, dass mir das Buch noch besser gefiele, wenn ich um die 14 Jahre alt wäre und noch nicht so viele Romane gelesen hätte, die in eine ähnliche Richtung gehen. Dennoch wird dies nicht mein letzter Ausflug nach Nuareth gewesen sein. Der zweite Band erscheint bereits im Mai 2018.

Fazit
Mit Das Schicksal der Paladine - Verschollen legt Jörg Benne einen gelungenen Trilogieauftakt vor, der vor allem durch den gut ausgearbeiteten, detailverliebten Weltenbau zu beeindrucken und zu überzeugen weiß. Perfekt für jugendliche und jung gebliebene Entdecker.
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